Vorgeschichte
Die ersten Überlegungen zu einem Stausee im Rottachtal sind schon
sehr alt, sie wurden bereits im Jahr 1904 angestellt. Konkretere Formen
nahm der Plan dann im Jahr 1936 an. Im Herbst des Jahres wurden laut
einem Bericht der Münchner Neuesten Nachrichten vom 6. März 1937
an einigen in Betracht kommenden Sperrstellen eingehende Untersuchungen
des Geländes durchgeführt. Damals war sogar von drei Seen mit einer
Fläche von zusammen über 1000 Hektar die Rede. Das umfangreiche Projekt
war für die Stromerzeugung gedacht und kann in Zusammenhang mit der
Arbeitsbeschaffung der damaligen nationalsozialistischen Machthaber
gesehen werden. Es meldeten sich bereits damals zahlreiche Betroffene,
die Einwände gegen die Pläne geltend machten. Das Projekt wurde dann
aber wegen des Krieges nicht mehr weiter verfolgt.
Als in den Nachkriegsjahren der Energiebedarf rasch wuchs, griff man das Rottachspeicherprojekt wieder auf. Das Allgäuer Überlandwerk, das regionale Energieversorgungsunternehmen, plante nun einen Stausee mit etwa 100 Hektar Größe für ein Spitzenlastkraftwerk. Es regte sich wieder Widerstand von den betroffenen Grundstückseigentümern und den anliegenden Gemeinden Moosbach und Petersthal. Ein „Schutzverband der vom Rottach-Stauseeprojekt Betroffenen“ wurde gegründet, der jedoch schon bald nicht mit der nötigen Einigkeit auftrat. Erste Bauern verkauften ihre Grundstücke. Trotz des etwas unkoordinierten Widerstandes orientierte sich das Energieversorgungsunternehmen anders und gab den Stausee auf.
In den 70er Jahren wurde das Stauseeprojekt dann erneut aufgegriffen, diesmal vom bayerischen Staat, und nicht vorrangig wegen der Erzeugung von Energie, sondern aus wasserwirtschaftlichen Gründen. Außerdem wurde er nun mehr als dreimal so groß geplant. Zahlreiche Gründe für die Notwendigkeit wurden ins Feld geführt. Die Erhöhung des Pegels an Iller und Donau bei Niedrigwasser sei, neben der Verbesserung der Wasserqualität, nötig zur Sicherung der Trinkwassergewinnung an diesen Flüssen und zur Sicherstellung des benötigten Kühlwassers für das Atomkraftwerk an der Donau. Die Überzeugungskraft dieser Argumente war jedoch für viele Beteiligte wie auch Beobachter nicht so stichhaltig, dass sie den gewaltigen Eingriff in die Landschaft rechtfertigten. Insbesondere die betroffenen Landwirte und Naturschützer sahen mit dem geplanten Rottachspeicher sowohl wertvolle, kleinteilig strukturierte Naturlandschaft mit selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten, als auch ausgezeichnete landwirtschaftliche Nutzfläche (Schwemmlandböden) des Oberallgäus unwiederbringlich untergehen und lehnten das Projekt heftig ab. Mit einer Wassermenge, die am Pegel Neu-Ulm die Donau für zwei Monate „gerade mal um eine Zigarettenlänge“ ansteigen lasse, könne man ihrer Meinung nach keines der vorgegeben Ziele erreichen. Trotzdem formierten sich größere Proteste erst Mitte der 80er Jahre, als der Bau des Projektes bereits begonnen hatte. Doch da kam der Widerstand schon zu spät. Weder eine Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, noch eine Petition im Bayerischen Landtag konnten den bereits genehmigten und begonnenen Bau noch stoppen.
Anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme des Stausees durch den
damaligen Innen-Staatssekretär Herbert Huber wurde eine reich bebilderte
Broschüre über den „blitzsauberen Badesee“ herausgegeben, in der der
damalige bayerische Innenminister Edmund Stoiber den Wasserspeicher als
eine „wirklich gelungene Verknüpfung von Technik und Natur“ darstellt.
Für die Naturschützer sind jedoch Zweifel an der Notwendigkeit und
Effizienz des Speichers geblieben, wenngleich er sich heute schön in die Allgäuer Landschaft einfügt.
Bau und
Inbetriebnahme
1978 wurde das Planfeststellungsverfahren für das
70-Millionen-Mark-Projekt abgeschlossen. Der Stollenbau begann 1983,
gefolgt vom Dammbau 1986 und der Räumung des Stauraumes von 1989 bis
1992. Im April 1990 wurde mit dem Probestau begonnen, die offizielle
Inbetriebnahme erfolgte am 14. Oktober 1992.
Nutzung
Der Rottachsee dient dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasseraufhöhung von Iller und Donau und der Stromerzeugung aus Wasserkraft. Zu diesem Zweck wird ein Wasserkraftwerk mit
einer Leistung von 480 kW betrieben, das Lastspitzen im Netz abdecken
soll. Es erzeugt etwa zwei Millionen kWh pro Jahr und vermeidet so etwa
2000 Tonnen CO2 in diesem Zeitraum. Die Talsperre hat einen
38 m hohen und 190 m langen Erddamm. Die Staumauer ist 70 m hoch. Der See und einige
Bereiche seines Ufers, insbesondere das Terrain eines vom restlichen See
separierten Vorstaubereiches beim Weiler Bisseroy werden als
Erholungsgelände genutzt. Inzwischen wird die Umgebung des Stausees als
Biotop bezeichnet, weil viele Pflanzen und Tiere sich niedergelassen
haben.